Einerlei – Gerd Kramer

Eine Rezen­sion von Kath­rine Bader

Wie aus der Einlei­tung zu entnehmen, ist das dritte Buch des gebür­tigen Burgen­län­ders Gerd Kramer nicht auto­bio­gra­fisch, jedoch von der eigenen Berufs­er­fah­rung als Arzt inspi­riert, wobei er von seiner dama­ligen Studi­en­ord­nung ausgeht.
In kurzen Szenen begleitet er abwech­selnd zwölf Menschen auf einem Abschnitt ihrer Lebens­wege, die sich zuweilen kreuzen. Zum Teil sind sie verwandt oder verpart­nert oder treffen zufällig aufein­ander. Die Haupt­figur ist wohl der frus­trierte Beamte Franz, der sich in seiner Pension neu zu orien­tieren versucht. Einge­spannt von seiner noch berufs­tä­tigen Ehefrau findet er in einem „Bankl“ an der Donau seinen persön­li­chen Rück­zugsort. Dort schließt er Freund­schaft mit einem Jugend­li­chen, dem er mit Rat und Tat zur Seite stehen kann. Die ersten Verliebt­heiten des Jungen sind eben­falls Thema der Geschichte.
Dann gibt es ein Pärchen, beide im Medi­zin­stu­dium – sie sehr ehrgeizig, er eher an Partys inter­es­siert und zwei­felnd, ob er der Verant­wor­tung in diesem anspruchs­vollen Beruf gewachsen sein wird.
Auch eine Witwe mit Hund, die ihren Mann schon im Krieg verloren hat, spielt eine Rolle sowie ihre Enkelin und deren Freund. Er, ein Motor­rad­freak, ist zufrieden in dieser Bezie­hung, so wie sie ist, sie aber wünscht sich unbe­dingt ein Kind: Er hätte nie gedacht, dass die schönste Sache der Welt zu solchen Problemen führen könnte. (Seite 69). Schließ­lich klappt es, doch fortan sitzt sie mit Schlab­ber­hosen und voll­gesab­bertem T‑Shirt (Seite 136) zu Hause herum, während er sich nach der früheren Frei­heit sehnt.
Der Autor fühlt sich in seine Figuren ein, lässt sie teils im (burgen­län­di­schem?) Dialekt spre­chen. Auch gelun­gene Natur­be­ob­ach­tungen sind zu finden. An einer Stelle klingt leise Kritik an der Kran­ken­haus­hier­ar­chie durch: Eine unlieb­same Sache ist das soge­nannte „Verkaufen“ von Pati­enten. (Seite232)
Was man dem Buch vorwerfen könnte, sind die an manchen Stellen durch­schei­nenden Rollen­ste­reo­type, zum Beispiel sind die weib­li­chen Figuren alle­samt schön und verfüh­re­risch, die Männer wollen oder sollen sich als ganze Kerle und Eroberer erweisen.

Die Donau wird zum Leit­motiv, zum Sinn­bild für den Fluss des Lebens: „Franz blickt auf den Fluss, der in ihm ein Gefühl von Ewig­keit weckt. Im Flach­wasser krin­geln sich die Wellen wie die Lach­grüb­chen kleiner Mädchen.“ (Seite 41).
So fließt der Text ohne die Unter­bre­chung durch Kapitel dahin. Jedoch treten Strudel oder Wirbel in Form von Verwick­lungen, erstem Liebes­kummer, Streit, Versu­chungen, Seiten­sprüngen, Tren­nungen, Enttäu­schungen und Miss­erfolgen auf. So hat „Einerlei“ kein wirk­li­ches Ende, doch im Nach­trag erfahren wir etwas über das weitere Schicksal der Protagonist*innen.

 

Kath­rine Bader, Januar 2026

Für die Rezen­sionen sind die jewei­ligen Verfasser:innen verantwortlich.

 

Gerd Kramer: Einerlei
Ober­wart: edition lex liszt12 2025
278 Seiten
24 EUR
ISBN: 978–3‑99016–304‑7

 

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