Abschlusslesung des Schreibpädagogik Lehrganges 2025/2026
Ein Bericht von Tobias March
Am 14. März 2026 fand die Abschlusslesung des Lehrgangs Schreibpädagogik 2025/2026 im BÖS-Atelier statt. Die Texte der Absolventinnen sind auch in der Abschlusspublikation beziehungsweise im Abschlussplakat des Lehrgangs mit dem Titel „Luftsprünge“ erschienen und dort nachzulesen. Der Abend wurde von Christa Nebenführ moderiert.
Der Abend begann mit Einführungsworten von Lehrgangsleiterin Erika Kronabitter, die auf die Besonderheiten des Lehrgangs “Schreibpädagogik” hinwies, das wertschätzende Miteinander in der Gruppe, das freudvolle Entdecken der eigenen Schreibstimme.
Im Anschluss startete die Lesung mit Eva Wachinger. Die von weit her angereiste Schweizerin las den Text: „Falle aus dem Wort heraus“ und dann ein gereimtes, humorvolles Gedicht mit dem Titel „hassen“: „Ich hab’s auch mal mit Liebe versucht, doch habe ich bitter verloren. Ich habe ein treues Hotel gebucht, ihr treu und ehr geschworen […]“.
ie langjährige Hebamme und Oma von drei Enkeltöchtern, Camilla Stephanie, las aus „Hinkender Rabe“: „Kein Atomabkommen mehr zwischen den Großmächten, Kunst nicht politisch, schalt mal um“. Dann trug sie das Gedicht „Grabrede“ vor, in dem es um eine Tochter geht, die dem Vater nie genug war. Die nicht von ihm gesehen und unterstützt worden ist und sogar im Tod sich nicht gekümmert hat und alles auf die noch lebenden Angehörigen abgewälzt hat.
Heidrun Schlögel leitet seit mehr als zwei Jahrzehnten die “Orte Architektur Netzwerke Niederösterreich”. Sie las aus dem Text „Baukultur“: „Sie wollen an die Schule anbauen und daneben, am Marktplatz, einen Fahrradstall herbauen. Ein neues Gemeindezentrum erbauen, in das sie ein Bürgerservice aus alten Bauteilen einbauen. Aufbauen wollen sie auch die Bevölkerungszahl. Dafür müssen sie überall zubauen. Und umbauen. Manche wollen Bauernhäuser nachbauen. Andere wieder hoch und immer höher bauen. Der Bürgermeister will gar den Hauptplatz überbauen und dafür die Kirche rückbauen […]”.
Ulrike Lamm hat das Gedicht „Verlassenschaft“ gelesen, das mit Bachmann und Celan formale Ähnlichkeiten habe, erklärte Moderatorin Christa Nebenführ: „Tausende Jahre jagte man uns über den Hof. Wir legten die Tücher unserer Mutter an und die Sprache der Väter ab. Wir forderten nichts Menschenunmögliches. Wir drehen, wir wenden uns. Unsere Worte haben kein Gewicht. Wir trotzigen Töchter, wir weinen nicht.“
Katharina Müller las unter anderem aus „Das Wort“: „Drach*in Dämlich sitzt dümmlich als Ungetier / am uralten Urgrund und wartet auf das / Wort, das Dämlich erlöst. / Nicht das N‑Wort, nein, / nicht die Niete und die Nutte, / auch nicht das Nutztier, nein. / Dämlich wartet auf den Nabel der Welt, / der aus dem Nebeln steigt […]“.Anita Steidl kommt aus dem Mühlviertel und schreibt gegen Sprachlosigkeit an. Sie las das Dialektgedicht „Hollerbusch“ und den Prosatext „Das Gartenhaus meiner Freiheit”.
Louise Kienzel wurde 1963 in Dänemark geboren und lebt heute in der Steiermark. Bei der Abschlusslesung präsentierte sie viele Texte wie „Zielkarotte“, „Weinrebe 1“, „Weinrebe 2“ und „Monte Carlo“.
Autorin Alexandra Schneider las aus vielen Texten, unter anderem aus „Meine Sprache“: „Wo bleibe ich, wo bin ich, wenn ich aus meiner Sprache herausfalle? / Meine Sprache ist ein Teil von mir. / Ohne sie bin ich nicht ich. / Sie ist nicht nur meine Stimme, / sondern auch meine Gestik und meine Mimik. / Sogar meine Gedanken sind davon betroffen. / Ohne meine Sprache bleibt nur eine körperliche Hülle von mir. […]“
Eva Pittertschatscher-Kuhner hat einen wunderbar mitreißenden und humorvollen Text zum Thema ballspielende Kinder und “Rosa mit ihrem Glasauge” geschrieben. Auch aus „Blitzlicht“ las sie: „Ich gehe, aber ich war schon da. Im Schreiben. Sand im Mund. Licht in den Knien. Ich fühle Sehnsucht […]“
Auch in einem Text von Inés Bürg ging es um ballspielende Kinder, zudem trug sie das Dialektgedicht „Marün“, das Lautgedicht „Klangkörper“ (das bildnerisch gestaltet in der Abschlusspublikation zu sehen ist) und das Gedicht „Der gestiegen Tag ist abgereist“ vor.
Die Lehrgangsteilnehmerinnen überreichten Blumen an die Lehrgangsleitung und dankte. für die schöne, intensive Zeit und den gemeinsamen Austausch. Co-Lehrgangsleiterin Cornelia Stahl sprach mit dem gerade verstorbenen Philosophen und Soziologen Habermas die Abschlussworte und drückte ihre Hoffnung aus, dass der Lehrgang Schreibpädagogik in den Schreibpädagoginnen lange nachhallen und nachwirken würde.
Das Video der Abschlusslesung gibt es hier nachzuschauen.
Fotos: Anja Benning, Erika Kronabitter
Video: Dominik Hillitsch
