Die AdvokatInnen. Im Zweifel für uns – Seppy Arte Rose
Eine Rezension von Kathrine Bader
Das zweite, wieder unter einem Pseudonym veröffentlichte Buch der Autorin lädt uns in eine Anwaltskanzlei der etwas anderen Art ein, in der zwei Juristinnen und zwei Juristen im Team arbeiten.
Die Protagonist:innen sind:
Gerd, der Finanzchef mit dem Vatergeheimnis. Obwohl selbst kein Jurist, hat er diese Innsbrucker Gemeinschaftskanzlei gegründet.
Eva: „Trocken, mit einem Hauch Arsen.“ (S. 101), Katzenliebhaberin mit dem „Temperament eines Kampfstiers“ (S. 119)
Ida: eine nach Gerechtigkeit Strebende, außerdem einfühlsame Mutter eines Teenagers, der davon träumt, Drummer zu werden und ein Motorboot zu steuern. „Praktisch gekleidet, keine Mode-Statements, aber mit dezenter ‚Ich bekomme Dinge geregelt-Ausstrahlung‘.“ (S. 137).
Andreas: bester Freund Gerds, Schwimmbegeisterter und scharfer Denker, der Lügen riechen kann und der seiner Schwester die Eltern zu ersetzen versucht.
Ferdinand: der Frischluftfanatiker, „Sozialphobiker“ (S. 45) und „Paragrafen-Engeneer“ (S. 185), für den ein Baby zuallererst eine Mikrobenschleuder ist.
Und da ist auch noch der gute Geist der Firma, die allgegenwärtige Putzfrau, die das Team mit Selbstgebackenem und mit Kommentaren versorgt: „Frau Edith, legendär neugierig und ebenso schlecht im Deuten juristischer Flüche, patrouillierte mit Papierkram durchs Sichtfeld der offenen Tür.“ (S. 184). Als einzige Ich-Erzählerin kommt sie im Prolog und im Epilog kommentierend zu Wort.
Die kurzen – und gerade deswegen zum Weiterlesen animierenden – Kapitel sind stimmigerweise als Paragrafen nummeriert. Ihre pfiffigen Überschriften greifen oft ein Wort auf, das im jeweiligen Kapitel vorkommt. Darin erfahren die Leser:innen etwas über die Neigungen sowie die Abgründe der Handelnden, atmosphärisch unterbrochen vom Arbeitsleben in der Kanzlei, in der die Taktik für die Rechtsfälle, von denen einige zu bewältigen sind, gemeinsam besprochen wird – unter Konsum von Unmengen an Kaffee.
Doch was, wenn das Team selbst nicht an die Unschuld eines zu verteidigenden Klienten glaubt? Wenn eine der beiden Advokatinnen selbst vor Gericht steht? Wenn der Kanzleimanager durch eine riskante Aktion den ganzen Betrieb gefährdet?
Beispiele für Sätze, die ins Ohr gehen: „Ein Quäntchen Kind auf Abruf, eine Prise betreutes Wohnen“ (S. 20), „Vielleicht, dachte sie, wären Gefühle erträglicher, wenn sie sich in Hauptsätze übertragen ließen.“ (S. 33), „Eine Mischung aus abgelegtem Applaus und zu lang getragenem Parfum lag in der Luft.“ (S. 38), „Das Licht flackerte wie ein Nervenzusammenbruch.“ (S. 101), „Die Augen leuchteten kurz, als hätte er den Heiligen Gral lokalisiert.“ (S. 203),
Zwischendrin immer wieder Stakkatosätze wie diese: „Kopf ans Glas. Die kühle Scheibe. Passte. Ja. Nur einen Moment. Gedanken sortieren. Stillhalten. Genug für heute.“ (S. 42) oder „Zuhause: Schuhe weg im Gehen. Jacke auf den Stuhl. Hemd über die Stuhllehne. Dann Bett. Draußen dämmriger Tag. Innen: Kopfkino.“ (S. 65) oder „Montag. Konferenzraum. Die Rollos halb geschlossen. Auf dem Tisch: Erwartungen. Niemand sprach. Zu viel Morgen.“ (S. 105)
Der Ton ist oft unterschwellig ironisch, der Text gespickt mit Wortschöpfungen wie „Reaktionsalgorithmus“ (S. 17) oder „stressinduzierte Systemüberlastung“ (S. 132), die das Juristendeutsch aufs Korn nehmen.
Das Buch ist spannend und kurzweilig zu lesen, hätte sich daher einen renommierteren Verlag verdient. Man kann neugierig sein auf Band II, der ganz zuletzt angekündigt wird.
Kathrine Bader, April 2026
Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser:innen verantwortlich.
Seppy Arte Rose (Pseudonym): Die AdvokatInnen. Im Zweifel für uns
Berlin: Epubli 2025
268 Seiten
12,99 EUR
ISBN: 9783565008988
