Weniger ist mehr

Ein Inter­view mit Bettina Baláka

Wenn beim eroti­schen Schreiben der mäch­tige Titan­wurz auf die saftige Lotus­blüte trifft, kann das unfrei­willig komisch klingen. Nutzen kann man die Meta­phern trotzdem, sagt Bettina Baláka im Interview.

BÖS: Wo genau verläuft für Dich persön­lich die Grenze zwischen Kunst und Kitsch beim eroti­schen Schreiben? Gibt es ein sprach­li­ches ‚No-go‘, bei dem du sofort die Reiß­leine ziehst?

Bettina Baláka: Es gibt kein abso­lutes No-go, weil es ja auf die Art des Textes ankommt. In einer ernsten Schil­de­rung wirken Meta­phern und Vergleiche aus der Natur oft unfrei­willig komisch. Die saftige Lotos­blüte, der mäch­tige Titan­wurz, Mangos, Papayas, Granat­äpfel, Hengste, Hähne, Riesen­schlangen, Erdbeben, der ausbre­chende Vulkan, aus dem die heiße Lava quillt … Dasselbe kann man aber in einem frei­willig komi­schen Text gewinn­brin­gend einsetzen.

BÖS: Wie gehst Du gene­rell mit dem Voka­bular um? Erfin­dest Du im Schreib­pro­zess manchmal eigene Meta­phern, weil die exis­tie­renden deut­schen Begriffe alle bereits ‚vorbe­lastet‘ sind?

Bettina Baláka: Es kommt auf die Szene an und welche Sprache die betei­ligten Personen verwenden. Durch die Wahl des Regis­ters lassen sich Figuren gut charakterisieren. 

BÖS: Wie gelingt es, intime Szenen mit abso­lutem Ernst und emotio­naler Tiefe zu schreiben, ohne dass es pathe­tisch wirkt?

Bettina Baláka: Weniger ist mehr: Spar­sam­keit, Auslas­sungen, Schlichtheit. 

BÖS: Braucht man Mut, um eroti­sche Texte zu schreiben?

Bettina Baláka: Sehr oft schon hörte ich nach dem Work­shop “Beben und beben lassen – über Sex und Erotik im Text” von Teilnehmer:innen: „Ich hab mich fast nicht getraut zu kommen, weil ich dachte, das ist doch viel zu intim – dabei war es das gar nicht!“ Nein, diese Sorge ist wirk­lich unnötig, denn wir gehen ans Eksta­ti­sche sach­lich heran. Wir analy­sieren und bespre­chen Beispiele aus der Lite­ratur, um uns die viel­fäl­tigen Möglich­keiten, mit Erotik schrift­stel­le­risch umzu­gehen, vor Augen zu halten. Und wie bei allen anderen Themen auch, geht es um die handelnden Figuren, nicht um das Privat­leben der Autorin/des Autors. Also traut euch ruhig!

 

Der Schreib­work­shop “Beben und beben lassen – über Sex und Erotik im Text” mit Bettina Baláka findet am 18./19. Juli 2026 statt. Anmel­dungen an office@boesmail.at

Foto: Alain Barbero