Sprache und Klang

Texte von Kath­rine Bader, Isabella Essler-Gauß und Tobias March

Aufga­ben­stel­lung:

Asso­zia­tives Schreiben zu einer unver­öf­fent­lichten Impro­vi­sa­tion von Michael Fischer

Kath­rine Bader

Verdammt, der Motor springt schon wieder nicht an! Diese Scheiß­karre, die ich mir da andrehen habe lassen. Rein­ge­fallen, selber schuld.
Jetzt komm schon, spring an. Es ist zum Verzwei­feln!
Am liebsten würde alles kurz und klein schlagen.
Verdammt, verdammt, verdammt! Was für eine Scheiße!
Diese alte Rost­laube.
Und dann noch in dieser gott­ver­las­senen Gegend. Natür­lich kein Schwein weit und breit, das mich anschieben könnte.
Ich will hier weg. Es ist arsch­kalt. Ich friere.
Zu Hause warten sie bestimmt schon auf mich.
Gleich dreh’ ich durch …

 

Isabella Essler-Gauß

Umständ­lich und abschwei­fend gesteht sie ALLES, was aber kein Ende des Verhör bewirkt.
Noch­ma­lige Fragen, immer und immer wieder, so akkurat, wie zu enge Krägen.
Sie möchte aufstehen und laufen. Gera­deaus und irgend­wohin. Diese Umklam­me­rung abschüt­teln und dann nur nicht stol­pern. 
So lange laufen, bis die Lunge zu stechen beginnt. Mara­thon­laufen. 
Sie weiß, der Schmerz wird nach­lassen. Darauf kann sie sich verlassen. 
Wenn dabei nur nicht diese eine Maschi­nerie auftaucht und ihr für immer den Weg versperrt.

           

Tobias March

Ich stehe hinten und beob­achte. Sie sind zu dritt und denken auch zu dritt, spüren zu dritt, ihre Herzen klopfen gleich­zeitig, es sind nicht drei Herzen, sondern ein Orga­nismus. Die Drogen haben sie eins werden lassen. Räkelnde Männer­hände und ‑hälse, sich gegen­seitig strei­chelnd, küssend, abtasten, ein lebendes, zuckendes Etwas, nackte Ober­körper, Nippel, Muskel­felder abfahren, immer denselben Beat teilend. Die roten und grünen Lichter gehen ein und aus und es ist nicht klar, wo Anfang, wo Ende, wer in der Mitte, wer hinten, wer vorne. Sie sind drei unter vielen und doch Zentrum der Tanz­fläche. Bewegen sich küssend, lieb­ko­send durch die Menge, alles andere sehen sie nicht. Keine Hand über­flüssig oder ins Leere grei­fend, inein­ander verschlungen, perfekter Einklang, perfekte Körper. Aus Stein gemei­ßelt, wenn da nicht so viel Leben­dig­keit, Fleisch­lich­keit und Wärme wäre.

 

 Die Texte sind im Schreib­work­shop „Sprache und Klang als Verhältnis und Poten­tial“ mit Michael Fischer entstanden.