Melange der Poesie – Barbara Rieger & Alain Barbero

Eine Buch­re­zen­sion von Brigitta Höpler

Melange der Poesie ist Foto­grafie, Lite­ratur, Wiener Kaffee­haus­to­po­gra­phie; ist eine Mischung, ein Streifzug, eine Erzäh­lung: 55 Wiener Cafés, 57 Schrift­steller und Schrift­stel­le­rinnen, 110 schwarz-weiß Fotos. Melange der Poesie ist ein Buch des fran­zö­si­schen Foto­grafen Alain Barbero und der Autorin, Schreib­päd­agogin, Co-Lehr­gangs­lei­terin im BÖS Barbara Rieger.

Die beiden verbinden Orte, Menschen und Worte zu einer höchst inspi­rie­renden Mischung! Das Buch ist ebenso Foto­buch mit poeti­schen schwarz-weiß Porträts öster­rei­chi­scher Autoren und Autor­innen in ihren Lieb­lingscafés wie eine Art Kaffee­haus­führer und zugleich ein lite­ra­ri­sches Lese­buch mit kurzen Texten der Porträ­tierten.

Der BÖS ist gut mit Absol­venten und Dozent­innen vertreten: etwa Erik Tenzler im lite­ra­tur­nahen Café Anno; Lukas Cejpek im legen­dären Anzen­gruber, Günter Vallaster im Café Bendl, Sophie Reyer in ihrem Kind­heits­café Caramel, Petra Gangl­bauer im Dommayer, Margret Kreidl ausnahms­weise nicht im Rüdi­gerhof, sondern im Eiles, Barbara Rieger selbst im Podium, Erika Kronabitter im Scho­pen­hauer, Gertraud Klemm im Café Stein, Dieter Sperl im Café Zartl, Gerhard Ruiss im Europa, Bettina Balàka im Hummel, Florian Gantner im Mocca, Susanne Gregor im Phil und Anna Robi­nigg im Siebens­tern.

Wobei das Thema „Kaffee­haus und Lite­ratur“ durchaus nicht unbe­lastet von langer Geschichte und jeder Menge Klischees ist. Diese werden jedoch aufge­bro­chen und die „alte“ Geschichte viel­fältig, neu und vor allem auch weib­lich weiter­erzählt. Das Kaffee­haus ist und bleibt Rück­zugsort, Schrei­bort, Bühne, Begeg­nungsort, Inspi­ra­ti­onsort, wird jedoch viel­fach neu inter­pre­tiert und bewegt sich weit weg von den Räumen illus­trer lite­ra­ri­sche Herren­runden um die Jahr­hun­dert­wende.

Nicht nur die Besu­cher, auch die Kaffee­häuser verän­dern sich durch Neuüber­nahmen und die Verwirk­li­chung von Kaffee­haus­träumen und ‑ideen ihrer Besitzer und Besit­ze­rinnen. Man möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, es ist ein Buch, in dem sich wunderbar flanieren lässt, im Vor- und Zurück­blät­tern, Verweilen, Schauen, Lesen und Ausdenken eigener Geschichten.

Zudem macht es große Lust, tatsäch­lich in die beschrie­benen Cafés aufzu­bre­chen, mit den Texten im Kopf, es macht Lust, selber im Kaffee­haus zu schreiben, und – den BÖS Work­shop „Kaffee­haus schreiben“ von Barbara Rieger zu besu­chen.

 

Brigitta Höpler, November 2017

Für die Rezen­sionen sind die jewei­ligen Verfas­se­rInnen verant­wort­lich.

Barbara Rieger, Alain Barbero: Melange der Poesie
Wien: Kremayr & Sche­riau, 2017
256 Seiten
EUR 29,00
ISBN: 978–3218010825