Orte sind – Erika Wimmer Mazohl

Eine Rezen­sion von Petra Gangl­bauer

Erika Wimmers Gedichte schlagen ein wie Kometen. Das ist an dieser Stelle ausschließ­lich positiv gemeint, sie sind aufge­laden, poetisch und kommen mit einer Wucht daher, der man sich nicht entziehen kann. Avan­cierte, rhyth­mi­sierte Gedichte sind das, die auch poli­ti­sche, gesell­schaft­liche Themen aufgreifen, aber alles andere als plakativ sind. Im rich­tigen Augen­blick entziehen sie sich der Mate­ria­lität der Alltags­wirk­lich­keit und werden wort­wört­lich abstrakt.
Es gibt auch Gedichte, die auf Reise­er­fah­rungen fußen: „Indien.hier“
Der Band ist zudem in mehrere Kapitel geglie­dert.
Repe­ti­tionen ritua­li­sieren die Gedichte, die sohin zu Gesängen werden, zu Zorn‑, Trauer- oder auch Stil­le­ge­sängen: das Kapitel „echo­räume“ ist übri­gens Georg Trakt gewidmet.

Formal spannt sich der Bogen von sper­rigen, etwa mit Schräg­stri­chen ausge­stat­teten und breit gebauten Texten (Ostia Antica: „sieht grob behauene Blöcke / und die Straßen aus Stein“) bis hin zu fragilen, teil­weise durch Laut­poesie unter­malten Gedichten: „der klang des schlag­baums“, „der klang des skal­pells“, beide knall­harte Ausein­an­der­set­zungen mit Gewalt – oder aber auch „der klang des papiers“ – alle­samt Gedichte, die Teil eines Zyklus in diesem Buch und demgemäß numme­riert sind.

Erika Wimmert Gedichte erzeugen einen Sog, einen Sturm, in den man gerät sobald man die erste Seite des Buchs aufschlägt!

 

Petra Gangl­bauer, November 2019

Für die Rezen­sionen sind die jewei­ligen Verfas­se­rInnen verant­wort­lich.

 

Erika Wimmer Mazohl: Orte sind
Edition laurin, Inns­bruck, 2019.
128 Seiten
EUR 17,90
ISBN 978–3‑902866–81‑3

 

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