Dualität der Literatur

Ein Inter­view mit Kath­rine Bader 

Im Vorfeld ihres ONLINE-Schreib­work­shops “Frau­en­li­te­ratur – Männer­li­te­ratur?” stellt sich Kath­rine Bader die Frage, ob Dualität in der Lite­ratur über­haupt noch notwendig oder zeit­gemäß ist.

BÖS: Worin besteht für Dich der Unter­schied zwischen männ­li­chem und weib­li­chem Schreiben?

Kath­rine Bader: Eben diese Frage wollen wir im Work­shop versu­chen zu beant­worten. Mögli­cher­weise gibt es einen Unter­schied darin, dass Autor­innen eher Prot­ago­nis­tinnen haben, Autoren eher Prot­ago­nisten. Wir kennen das ja aus früheren Filmen: Frauen sind da oft nur Zier­werk und spielen keine Haupt­rolle. Aller­dings zeichnet sich gutes Schriftsteller:innentum dadurch aus, glaub­haft auch die Perspek­tive des jeweils anderen Geschlechts einnehmen zu können.

BÖS: Welche Beispiele hast Du für Proto­typen des männ­li­chen sowie des weib­li­chen Schreibens?

Kath­rine Bader: Im Work­shop geht es auch um einen geschicht­li­chen Über­blick über das Schreiben von Frauen. Lange Zeit waren bürger­liche Frauen von höherer Bildung und gesell­schaft­li­cher Mitwir­kung ausge­schlossen. Deshalb beschränkten sich ihre Erfah­rungen haupt­säch­lich auf den häus­li­chen Bereich, was sich in ihren Werken nieder­schlägt. Oft bekamen sie daher – von Männern – den Stempel aufge­drückt, dass ihre Werke minder­wer­tiger seien. Bei modernen Werken der Lite­ratur ist viel schwie­riger, eindeu­tige Aussagen zu treffen, welchem Geschlecht ein Text zuzu­ordnen ist, wie die Proben aufs Exempel im Work­shop zeigen.

BÖS: Wie sieht es mit Lite­ratur der LGBTQ+-Community aus? Verschwimmt da nicht die duale Sicht­weise auf Literatur?

Kath­rine Bader: Das glaube ich auf alle Fälle. Soweit ich das beur­teilen kann, proble­ma­ti­sieren diverse Personen in ihren Erst­lings­werken mögli­cher­weise ihre persön­li­chen Erfah­rungen mit ihrer Nicht-Bina­rität. So wie viele Veröf­fent­li­chungen der soge­nannten “Frau­en­li­te­ratur” einen biogra­fi­schen bezie­hungs­weise femi­nis­ti­schen Hinter­grund hatten. Es ist sicher nicht mehr zeit­gemäß, auf Dualität zu bestehen. Viel mehr kommt es doch auf inter­es­sante Themen und auf eine beson­dere sprach­liche Umset­zung an.

 

Der ONLINE-Schreib­work­shop Frau­en­li­te­ratur – Männer­li­te­ratur?” mit Kath­rine Bader findet am 2./3. Mai 2026 statt. Anmel­dungen gerne unter office@boesmail.at

 

Fotos: Manuela Zine