„Zwischen den Worten“ – Ausstellungseröffnung und Literatursalon im BÖS-Atelier
Ein Bericht von Tobias March
Der erste BÖS-Literatursalon des Jahres 2026 startete am 11. April 2026 mit Lesungen von Ulrike Ulrich, Simon Sailer und Christian Teissl sowie der Ausstellung „zwischen den Worten“ der Künstlerin Sarah Rinderer.
In Rinderers Ausstellung geht es um Interpunktionszeichen von verschiedenen deutschsprachigen Autorinnen. Die Bilder begleiteten nicht nur die Lesungen des Literatursalons – die Künstlerin war auch selbst anwesend und sprach mit der Kunsthistorikerin Brigitta Höpler über die Inspirationsquellen und die handgezeichneten Bilder. Danach folgten die Lesungen von Simon Sailer, Christian Teissl und Ulrike Ulrich.
Simon Sailer las aus seinem Roman „Die Schrift“, der 2020 in der Edition Atelier mit vierfärbigen Illustrationen von Jorghi Poll erschienen ist. Zum Inhalt: Der Ägyptologe Leo Buri führt ein beschauliches Leben, liebt seine Bücher und das Gleichbleibende. Dann bekommt er Nachrichten auf seinen Schreibtisch: Er soll zum Donaukanal bei der Urania kommen, dringend! Später entdeckt er eine rätselhafte Schrift, die er nicht entziffern kann, und plötzlich beginnt sich alles zu ändern.
Christian Teissl, der ursprünglich aus der Steiermark kommt, las aus „Hügelland, südlich“, einem Gedichtband, der 2025 in der Edition Thurnhof erschienen ist. Der Gedichtband ist mit Offset-Lithographien von Herwig Tollschein versehen. „Über Hitze flirrendem Asphalt zeichnet sich plötzlich dein zarter Umriss in die Luft / Im Regenrauschen nachts / an einem fremden Fenster breitet sich plötzlich eine Stille aus / Eine Stille wie kurz vor Erwachen des Südwinds…“
Abschließend nahm Ulrike Ulrich am Lesetisch Platz. Sie las aus ihrem Roman „Zeit ihres Lebens“, der 2025 im Berlin Verlag erschienen ist und eine Hommage an Paris, an die Schriftstellerin Liane Steffen und deren verstorbene Freundin Jana ist. „Er hat mir den seltsamen Schlüssel zugeschickt, der aussieht, als soll man damit eine sehr große Spieluhr aufziehen. Und so hat es sich auch angefühlt, als ich vorgestern die schmale Eingangstür öffnete, hinter der sich eine aufwändige Schließanlage befindet. Zuerst bin ich zu den Fenstern gegangen, habe die bodentiefen Flügeltüren aufgezogen, mich an das geschwungene, schmiedeeiserne Geländer gelehnt und auf die gegenüberliegenden nur wenige Meter entfernten Häuser geschaut.“
Nach der Lesung im auf den letzten Platz besuchten Atelier klang der Abend am Buffet und rund um den Büchertisch mit Gesprächen und Austausch aus.
Der nächste Literatursalon im BÖS-Atelier findet am 13. Juni 2026 statt.
Video der Veranstaltung auf YouTube
Video: Peter Bosch
