Antons Nächte – Chris­tine Greunz

Eine Rezen­sion von Tobias Thomas March

Ein klein-großes Familienporträt

Ein Fami­li­en­roman, der aus vielen verschie­denen Perspek­tiven vom Groß­werden und Altwerden, vom Entschei­dun­gen­treffen, vom Ausziehen und vom Zurück­kehren erzählt, ist Chris­tine Greunz da gelungen.

Schwer sind die Themen, die aufge­griffen werden. „‚Ein Schlag­an­fall war‘s, haben sie gesagt. … Ein Schla­gerl. Nicht allzu schlimm.“ Und dann: „Das wird schon wieder, wirst sehen.‘“ (S. 30) Die geliebte Groß­mutter ist gestorben, die Mutter von Karin hatte einen Schlag­an­fall, und Karin, die in die Groß­stadt geflüchtet ist, muss nun mit Tochter Laura zurück­kehren in das Dorf ihrer Kind­heit. In ein Dorf, in dem die Mutter nie zufrieden war mit ihr, der Tochter. In das Haus der Eltern, wo der Vater immer stumm gear­beitet hat und die Dorf­jungen bei den Zelt­festen über­griffig waren. Karins Bruder ist noch als ganz kleiner Junge gestorben. „Jakob lag auf dem Boden, am Hinter­kopf eine klaf­fende Wunde. Sein Blut rann über den Flie­sen­boden, vermischte sich mit dem Wasser, das aus seinen Haaren, das von seinem Körper tropfte. Seine leblosen Finger umklam­merten die gelbe Plas­tik­ente.“ (S. 150) Viele Schick­sals­schläge haben diese Familie gebeu­telt und doch geht sie ihren Weg. Davon erzählt der Roman.

Das Cover­bild der Brom­beeren steht auch für den Roman, der inhalt­lich wuchert und immer größer, unüber­sicht­li­cher wird. Da gibt es die Erzähl­in­stanz der Karin und die der außen­ste­henden Lebens­be­ra­terin, die ihre Bera­tungs­sit­zungen mit Karin ganz genau aufzeichnet und proto­kol­liert. Sie schreibt auf, was ihr an Karin auffällt und was ihr Karin von ihrer Lebens­ge­schichte erzählt. Die Lebens­be­ra­terin wird dann sogar selbst aktiv, macht einen Kunst­händler auf die Bilder von Karins Vater Anton aufmerksam und besucht den bäuer­li­chen Hof.

Die Brom­beeren kommen im Roman vor, als Karin den Garten schil­dert. Ihre Groß­mutter hatte ihn kulti­viert und fest im Griff. Die Brom­beeren wuchsen geordnet, neben den anderen Gemüse- und Obst­sorten. Nachdem sie gestorben war, versuchte es Karins Mutter Maria einen Sommer lang, aber der Garten der Groß­mutter war zu viel Arbeit und zu wenig Ertrag, sie hatte die Geduld nicht. „Und jetzt, wie sieht der Garten jetzt aus?“, fragt im Bera­tungs­ge­spräch die Lebens­be­ra­terin. „Der gehört jetzt den Brom­beeren.“ (S. 162)

Wer einen viel­schich­tigen Fami­li­en­roman lesen mag, wer verschie­dene Erzähl­in­stanzen nicht scheut, und wer wissen möchte, wie es mit dem Bauernhof und dem Haus der Groß­mutter weiter­geht, wer wissen möchte, wie es Karins Mutter Maria ergeht und warum Karins Vater Anton anfängt zu zeichnen, der kann das alles in „Antons Nächte“ nachlesen.

 

Tobias Thomas March, September 2026

Für die Rezen­sionen sind die jewei­ligen Verfasser:innen verantwortlich.

 

Chris­tine Greunz: Antons Nächte
Wien: Buch­schmiede 2026
224 Seiten.
16,80 EUR
ISBN 978–3‑99192–743‑3

 

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