Etwas mit Menschen machen
Ein Interview mit Thomas Perle
Ein (Anti-)Drama sollte Menschen beschäftigen, anregen und berühren. Was Teilnehmende seines Workshops daraus für ihre Prosatexte lernen können, und warum Dramen auch Literatur sind, erzählt er im Interview.
BÖS: Was macht ein Drama aus, und vielmehr, was macht ein Anti-Drama aus?
Thomas Perle: Das Drama ist mittlerweile so verschieden wie Dramatiker:innen selbst es sind. Sowohl Drama als auch Antidrama haben jedoch eines gemeinsam oder sollten eines gemein haben: dass sie etwas mit Menschen machen. Während das Drama davon ausgeht, dass Konflikte verhandelbar sind, Menschen durch ihre Handlungen und Entscheidungen etwas verändern können, setzt das Antidrama genau dort an, wo dieses Versprechen sich nicht einhält. Stillstand versus Entwicklung. Beides sollte mich in irgendeiner Weise beschäftigen, mich zum Nachdenken anregen, mich ärgern, mich zum Lachen bringen, zum Weinen und im besten Fall nicht langweilen.
BÖS: Was kann man durch dramatisches Schreiben für das Schreiben von Prosatexten lernen?
Thomas Perle: Beim dramatischen Schreiben geht es darum, Figuren zu erschaffen mit einer eigenen Sprache, mit ihren eigenen Geschichten, mit ihren Macken und sie dann auf andere Figuren treffen zu lassen, sie in absurde Situationen zu stecken.
Das dramatische Schreiben ist sofort Sprache, die gesprochen werden möchte. Das dramatische Schreiben ist im besten Fall bereits auf Papier lebendig. Das prosaische Schreiben kann vom dramatischen Schreiben lernen, lebendig zu sein.
BÖS: Was ist das große Missverständnis beim dramatischen Schreiben?
Thomas Perle: Vor allem im deutschsprachigen Theaterraum: dass das dramatische Schreiben nur das Schreiben für die Bühne ist. Es sollten viel mehr Theatertexte auch gedruckt werden, was seit einiger Zeit auch vermehrt geschieht. So wurde 2025 der Theatertext BLUTBROT von Miriam Unterthiner mit dem Österreichischen Buchpreis Debüt ausgezeichnet. Dramatisches Schreiben ist eben auch Literatur.
Der Schreibworkshop “Dramatisch schreiben” mit Thomas Perle findet am 21./22. Februar 2026 statt. Anmeldungen gerne an office@boesmail.at