Höllen und Wunder. Unwirsche Texte – Christoph Janacs
Eine Rezension von Tobias March
Himmel oder Hölle? Prosagedichte mit vielen Zitaten und Sprachspielereien
Zuletzt veröffentlichte Janacs 2024 den Gedichtband „die Stille nach dem Doppelpunkt. nichtgeführte Gespräche“ in der Edition Tandem. In seinem neuesten Buch „Höllen und Wunder“ versammelt der Salzburger Autor Christoph Janacs über 80 Prosagedichte und Dialoge zu „unwirschen Texten“ – so lautet der Untertitel des Buches.
Janacs Gedichte sind wie für Prosagedichte üblich eher lange, ausschweifend und vor allem mit Sprachspielereien durchzogen, die für den Autor typisch ist. Dies wird beim Prosagedicht „in Zeiten wie diesen“ (S. 15) beobachtet. Da heißt es: „mühsam. Schritt für Schritt. oder sollte es heißen: Schnitt für Schnitt? […]“
Das Spielen mit Sprache und Form ist formal bei jedem Gedicht präsent: Die Satzanfänge sind konsequent kleingeschrieben, Nomen sind großgeschrieben, wenn sie nicht gerade am Satzanfang stehen. Satzendzeichen wie Punkte werden vom Autor immer gemacht, außer wenn der Absatz zu Ende ist. So wirken die Texte immer schwebend, unabgeschlossen und als ob sie über ihre Seite hinausragen würden. Das Buch hat ein verspielt-verzerrtes Cover, die Hinterseite ist komplett blau, die Vorderseite zeigt verschiedenfarbige Flecken und bunte Muster. Man kann es nicht genau erkennen: Sind es Fallschirmspringer oder die Augen von Schmetterlingsflügeln? Aber der spielerische Zugang des Autors zum eigenen Schreiben wird durch dieses Cover untermauert. Das Buch ohne Inhaltsverzeichnis ist in fünf Kapitel, mit arabischen Ziffern gekennzeichnet, unterteilt.
Im ersten Kapitel geht der Autor auf seine Geburtsstadt Linz ein. Er schreibt: „[…] gehören die Schlote der Schwerindustrie meiner Heimat- oder besser: Geburtsstadt auch dazu, auch wenn sie nirgendwo erwähnt werden? und was ist mit dem Smog und seinen Ausdünstungen […]“ (S. 5). Aber es geht auch um das Fehlen einer Erinnerungskultur und das Fehlen einer Reflexion über den Begriff Heimat in Österreich. Im zweiten Teil geht der gelernte Religions- und Deutschlehrer auf Wunder, Gott, Glauben und den Rosenkranz ein. Im dritten Teil des Bandes werden Dialoge präsentiert, im vierten Teil Krieg und Flucht thematisiert. Im fünften und letzten Teil kommen Tod und Abschied zur Sprache: „[…] damals, als deine Haut begann sich abzuschälen, dich deiner Grenzen entkleidete und du von dir langsam den Abschied nahmst […]“ (S. 124).
Dieses Buch ist für Prosagedicht-Liebhaber:innen und für belesene Menschen geeignet. Im Anhang präsentiert der Autor eine lange Liste an Namen von Autor:innen, die er mitten in seinen Texten unmarkiert zitiert hat. Wer mag, kann diese manchmal abgewandelten Zitate im Buch entdecken.
Tobias Thomas March, Juni 2026
Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser:innen verantwortlich.
Christoph Janacs: Höllen und Wunder. Unwirsche Texte
Salzburg: Edition Tandem 2025
144 Seiten
22 EUR
ISBN 978–3‑903516–29‑8
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