sala­man­derin – Katha­rina J. Ferner

Eine Rezen­sion von Cornelia Stahl

Bezie­hungs­reigen

Wie gestalten wir Bezie­hungen? Und welche verschie­denen Rollen spielen wir in ihnen? In ihrem dritten Gedicht­band „sala­man­derin“ spie­gelt die Salz­bur­gerin Katha­rina J. Ferner Ambi­va­lenzen einer Liebes­be­zie­hung, die bereits in den Anfängen fragil erscheint. Die Autorin unter­teilt ihren Lyrik­band in drei unge­fähr gleich lange Zyklen und markiert in ihnen Themen wie Liebe, Natur und Träume. 

Auffal­lend sind die inter­tex­tu­ellen Bezüge, die Ferner in ihren jewei­ligen Zyklen einfließen lässt (Im Anhang werden alle Quellen präzise ange­geben). Im titel­ge­benden Zyklus „sala­man­derin“ finden wir Figuren aus Inge­borg Bach­manns Roman „Malina“. Im Fokus stehen Dialoge zwischen Ivan und einer weib­li­chen (namen­losen) Figur. Die Autorin entlehnt Bach­manns Roman Satz­teile und Frag­mente und verwebt sie mit eigenen Anteilen zu einer Neukom­po­si­tion. Die Hand­lung verla­gert sie in die Gegen­wart. Ferner erzeugt einen sprach­li­chen Klang, der an eigene Bezie­hungs­muster und ‑krisen erin­nert, und dadurch eine starke Iden­ti­fi­ka­tion mit den Figuren ermög­licht.  
Der zweite Zyklus „magno­lien“ rückt Natur­ele­mente in den Mittel­punkt. Atmo­sphä­risch spüren wir die Fragi­lität der Bezie­hung: Nähe wird (nach außen) vorge­täuscht, das Lügen­kon­strukt funk­tio­niert noch, weist jedoch Risse auf. 

Im Schluss­zy­klus „Tag 09: Der Traum“ fügt die Autorin das Motto aus Bach­manns Hörspiel „Ein Geschäft mit Träumen“ ein. Das Fragile eines Traums ist Leser:innen vertraut, die gele­gent­liche Flucht in die Unwirk­lich­keit. In Ferners Text wird das Ende der Bezie­hung spürbar:
„ich hänge kopf­über wie ein Tier das langsam ausblutet“, S.74.
Wünsche nach Nähe und Konti­nuität (in der Bezie­hung) bleiben sprich­wört­lich ein Traum.
Fast am Ende, im Gedicht 12, markiert das lyri­sche Ich wieder­holt ein Sprach­bild von der Nicht­er­fül­lung der Wünsche:
„wäre einmal gerne der hafen
und nicht immer das schiff
dessen navi­ga­ti­ons­system
unter­wegs ausfällt.“, S.88.

Wie in den voran­ge­gan­genen Bänden „nur einmal flie­gen­pilz zum früh­stück“ und „kröten­tage“ verfasst Katha­rina J. Ferner ihre Gedichte jeweils in der Hoch­sprache Deutsch sowie im Dialekt und verleiht ihren Texten dadurch Mehrdeutigkeit.

Eine unbe­dingte Empfehlung! 

 

Cornelia Stahl, März 2026

Für die Rezen­sionen sind die jewei­ligen Verfasser:innen verantwortlich.

 

Katha­rina J. Ferner: sala­man­derin
Gedichte.
Inns­bruck-Wien: Limbus Verlag 2025
96 Seiten
15 EURO
ISBN: 978–3‑99039–263‑8  

 

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