Wenn es Nacktschnecken regnet. Kurzgeschichten – Eva Schreiber
Eine Rezension von Roswitha Perfahl
„Irgendwann kommst du drauf, dass Aufessen kein verlässlicher Schutz vor Regen ist.“
In der edition lex liszt 12, einem Verlag, der sich dem Kulturschaffen und der Aufarbeitung der Geschichte des Burgenlands widmet, hat Eva Schreiber bereits ihren zweiten, hier vorliegenden Kurzgeschichtenband veröffentlicht. 29 Kurz- und Kürzestgeschichten, jeweils ein bis zehn Seiten lang, sowie 24 Vignetten ein bis sechs Sätze kurz, beinhaltet der knapp 160 beschriebene Seiten umfassende Band. Diese decken ein weites Feld von Beobachtungen ab, die die Herausforderungen mit Dating, toxischen Beziehungen, Leistungssport, brüchigen Familien und dem hohen Alter bringen.
Viele Texte punkten durch Ironie und Witz: „Ich schneid das 50-Prozent-Pickerl vom Sackerl mit dem Vollkorngebäck, um vor mir selber nicht als knausrig dazustehen.“ (S. 164) Die längste, auch als Buchtitel genannte Kurzgeschichte handelt in amüsanter Weise vom Wohnbau neben einem Naturschutzgebiet und der Rückeroberung des Lebensraums durch dessen Bewohner: „Die Hoffnung, dass die südrussischen Taranteln die Schnecken fressen würden, währte nur kurz.” (S. 28)
Viele der Geschichten kippen jedoch immer wieder ins Bedrückende oder Bedrohliche und fast immer ist die Ursache ein Mann. „Irgendwie übergriffig und irgendwie unheimlich” (S. 68) entwickelt sich ein harmlos beginnendes Gespräch, oder plötzlich befinden sich Dinge auf einem Balkon, die am Vortag nicht dort lagen. In „Was ist dein Ziel“ vertreibt ein Mann mit genau dieser Frage seine Datingpartnerin.
Atmosphärisch verbindet die Autorin in der Geschichte „Dieser weit aufgerissene, grellrot umrandete Mund“ selbigen mit der Gier des Vaters, „wie dieser die Gabel stets in das größte Stück Fleisch gerammt hatte“ (S. 81), um jedoch festzustellen: „Gut möglich, dass ein wenig mehr Gier unserer Beziehung gutgetan hätte.“ (S.82)
Berührend wird in „Joseph geht“ das Sterben eines Bruders begleitet. „Sie nahm ihn beruhigend in die Arme und sagte leise: „Es ist alles gut, es ist alles gut“. (S. 107)
Einzig die Vignetten auf den letzten 20 Seiten des Buches irritieren, nicht inhaltlich, sondern insoferne, als die aus einem bzw. wenigen Sätzen bestehenden Texte jeweils auf einer Seite abgedruckt sind und einem daher viel weiße Blatt-Leere entgegenblickt.
Eine ideale (Sommer-)Lektüre mit Wendungen ins Beunruhigende.
Roswitha Perfahl, Oktober 2026
Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser:innen verantwortlich.
Eva Schreiber: Wenn es Nacktschnecken regnet. Kurzgeschichten
Oberwart: edition lexliszt 12 2026
172 Seiten
24 EUR
ISBN: ISBN 978–3‑99016–336‑8
