wie sand

Ein Text von Brigitte Krech

wie sand

der kaffee­löffel liegt am rand
einer unter­tasse die tasse darüber
ist halb leer oder halb ausge­trunken
das ikea­glas mit
leitungs­wasser gefüllt steht
aufrecht daneben die spuren des
trin­kens sind auf der tasse
hinter­lassen dort wo die lippen
den rand berührten ist eine
unter­bre­chung der kaffee­spur zu sehen
noch vor wenigen
augen­bli­cken strich ein kaffee­duft
bahnen in der küche bis zum
wohn­zimmer der milch­schaum
ausge­breitet wie ein kleiner
teppich der kaffee­löffel
verrührte den zucker in der tasse
ohne den milch­schaum zu stören
der zucker knirrschte wie sand.
wie sand.
später ist es ein trüber tag
es ist ein fauler tag doch eine motte
fliegt in die küche
hände klat­schen bis sie auf den
fußboden fällt
es ist ein tag an dem die
heizungs­rohre ihre wärme anbieten
es ist ein tag mit viel regen
bis die jeans im wind­re­gen­spa­zier­gang
nass­ge­sogen ist
es ist ein tag an dem der nachbar aus der wohnung mit
dem asth­ma­ti­schen hund
an der bushal­te­stelle vier doppel­kekse aufisst
es ist ein tag an dem eine buch­hal­terin
aus dem 22. alleine im
kino sitzt und die werbung leise mitspricht
es ist ein tag an dem der zug
aus buda­pest exakt 43 minuten
verspä­tung hat
es ist ein tag an dem die kredit­karte
eines vorbei­ge­hers am donau­kanal verschwindet
es ist ein tag zu entscheiden
den kopf gerade zu halten

 

Brigitte Krech ist Wahl­wie­nerin. Arbeitet im inter­na­tio­nalen Umfeld. Studierte Geografie, Politik, BWL, Osteu­ro­pa­stu­dien in Heidel­berg, London, Mann­heim und Buda­pest. Hobbies: Lesen, Wandern, Reisen, Schreiben, Radfahren.

Brigitte Krech ist Absol­ventin des Lehr­gangs Schreib­päda­gogik 2018/ 2019.

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