Graf­fiti vor dem BÖS-Atelier

Das BÖSe schlechthin“

Gedanken von Barbara Rieger

Der Blog

Vor einem Jahr im Sommer: Wir, das heißt, das BÖS-Team und die beiden Webde­si­gner Kathi und Martin bespre­chen die Fertig­stel­lung und den Launch unserer neuen Website. Jemand, vermut­lich Martin, schlägt vor, noch einen Blog hinzu­zu­fügen. Natür­lich, denken wir, alle unsere Mitglieder sind schrei­bende Menschen, die können doch bloggen: Rezen­sionen, Refle­xionen, Lite­ra­ri­sches und über unsere Akti­vi­täten! Aber, werfe ich ein, wir brau­chen eine Redakteur*in, und zwar eine ehren­amt­liche, weil bei uns fast alles – außer dem Unter­richten – ehren­amt­lich gemacht wird. Brigitta meldet sich, danke Brigitta. Wir laun­chen die Website also mit Blog, veröf­fent­li­chen jede Woche einen, manchmal sogar zwei Blog­ar­tikel. Vor der Sommer­pause bin nun ich dran.

Ich und auch nicht

Vor einem Jahr im Sommer: Mein Debüt­roman erscheint. Debüt­roman und Leiterin des Lehr­gangs Schreib­päda­gogik, geht sich das aus? Wäre es nicht besser ich wäre ein „alter weißer Mann“ mit einer etwas längeren Publi­ka­ti­ons­liste, könnte man fragen, habe ich mich gefragt, habe mir selbst geant­wortet, dass der Debüt­roman eigent­lich mein viertes Buch ist, dass ich seit mehr als zehn Jahren Verschie­denes unter­richte usw. Vor allem: Dass es nicht um mich geht. Den Ansatz und die Inhalte der (Wiener) Schreib­päda­gogik habe nicht ich erfunden, sie wurden seit den 1980er-Jahren von verschie­denen Personen entwi­ckelt und weiter­ent­wi­ckelt. Und ich bin nur eine von über 20 Unter­rich­tenden am BÖS. (Danke an alle Unter­rich­tenden!) Eine, die den Lehr­gang zusam­men­hält. Alles andere hält Hannah zusammen, danke Hannah!

Wir

Wir, das BÖS-Team, sind mehr geworden: Zu Hannah, Brigitta und Peter, Erika, Claudia und Günter, sind Britta – mit ihrer lang­jäh­rigen Erfah­rung als Autorin und Schreib­päd­agogin – und Laura – mit ihrem frischen, jungen Blick – hinzu­ge­kommen. (danke an alle!) Es gibt Work­shops von neuen Dozent*innen, neue Ideen, irgend­wann viel­leicht sogar ein neues Atelier. Neben dem Unter­richt, den Veran­stal­tungen, der Website, dem Blog, dem News­letter disku­tieren wir über Lite­ratur, über Lite­ra­tur­ver­mitt­lung, sind offen für Neues und nehmen sogar an Work­shops von Kolleg*innen teil, um uns weiter­zu­bilden und nicht zu vergessen, wie es ist, Teil einer (Schreib-)Gruppe zu sein.

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Die Anderen

Wenn ich mit schrei­benden Kolleg*innen über die Bücher von Kolleg*innen disku­tiere, fällt mir auf, dass ich in meinem Urteil vergleichs­weise milde bin. Natür­lich gibt es Bücher, die mich nicht inter­es­sieren oder die lang­weilen, Bücher, bei denen ich einiges weglek­to­riert hätte usw. Aber insge­samt über­wiegt bei mir immer etwas in der Art wie: Respekt! (Die Autorin in mir.) Weiter so! (Die Schreib­päd­agogin in mir.)

Für den Fall, dass Bücher, mit denen ich über­haupt nichts anfangen kann, sehr erfolg­reich sind, habe ich übri­gens noch eine Sozi­al­wis­sen­schaft­lerin in mir und für den Fall, dass jemand sich darüber beschwert, dass nicht die ganze Welt und nicht mal der Lite­ra­tur­be­trieb auf sein Buch gewartet hat, habe ich, nunja, ein gewisses Maß an Empa­thie, denn:

Muss man?

Ich hatte Glück. Ich habe einen guten Verlag. Ich wurde einge­laden zu lesen. Das Buch hat zahl­reiche Rezen­sionen bekommen. Es gefiel meinen Freund*innen, vielen Kolleg*innen. Die Rezen­sionen waren positiv.

Bis auf die eine, die dem Buch vorwarf, zu gut zu sein. Kriti­sierte, dass es von jemandem geschrieben wurde, der es (das Schreiben) gelernt hat und es sogar unter­richtet. Die meinte, ich (die Autorin) hätte es gut gemacht, aber: Muss man (ich, die Autorin) es wirk­lich schreiben? Ich hatte Glück, wie gesagt, weil da all die anderen posi­tiven Reak­tionen waren und weil ich zu der Zeit andere Probleme hatte, aber: Was ist das für eine Frage?

Schreib­schulen und das BÖSe schlechthin

Es geht natür­lich nicht um mich. Wahr­schein­lich nicht mal um mein Buch. Viel­leicht um eine Kritik an soge­nannten Schreib­schulen. Ein Vorwurf an soge­nannte Schreib­schulen ist zum Beispiel, sie würden einheit­liche Lite­ratur für den Markt produ­zieren. Der BÖS ist keine Schreib­schule. Schlimmer: Der BÖS bietet nicht nur Work­shops für Schreib­in­ter­es­sierte, sondern sogar eine Ausbil­dung für Menschen an, die Schreiben unter­richten wollen. Der BÖS ist – für Gegner*innen von soge­nannten Schreib­schulen – also das Böse schlechthin.

Man muss.

In den Veran­stal­tungen des BÖS werden die Teil­neh­menden ange­halten zu expe­ri­men­tieren, auszu­pro­bieren, was sie alleine nicht auspro­bieren würden. Sie haben die Möglich­keit ihre Texte in einem geschützten Rahmen vorzu­lesen. Bekommen Feed­back von den anderen Teil­neh­menden. Müssen sich mit den Texten der anderen ausein­an­der­setzen und lernen Feed­back zu geben. Wohl­wol­lend, kritisch und immer respekt­voll. Dies ist wesent­li­cher Teil der Ausbil­dung zur Schreibpädagog*in. Die Teil­neh­menden sind schon Autor*innen, oder wollen es werden, wieder andere schreiben (erstmal) nur für sich selbst.

Für mich und für Unbe­kannte

Ich erin­nere mich, dass jemand, ich denke, es war der Webde­si­gner Martin, mich darauf hinge­wiesen hat, wie oft ich das Wort „muss“ verwende. Ich bin (meist) in der sehr glück­li­chen Lage, es falsch zu verwenden. Ich sage „Ich muss schreiben“ und meine damit „Ich will.“

Ander­seits: Wer schreiben will, der muss. Und: Wer schreiben muss, der soll. Alleine oder in einer Gruppe. Am Schreib­tisch, am Meer, bei einer Almhütte oder in einem Semi­nar­raum. In einer der soge­nannten Schreib­schulen oder bei uns im BÖS-Atelier. Für andere, Unbe­kannte, viel­leicht. Für sich selbst auf jeden Fall.

 

Barbara Rieger, Juli 2019

Foto: Barbara Rieger

 

Wenn ihr Unbe­kannte diesen Artikel bis zum Ende gelesen habt, dann freut mich das, denn ihr wollt oder müsst sicher auch anderes lesen oder tun. Schlafen, schwimmen, Geld verdienen, Zeit mit den Liebsten verbringen, demons­trieren oder ja, schreiben …!

Schönen Sommer wünschen Barbara Rieger und der BÖS!

 

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