Schreiben mit KI – ein Experiment
Ein Text von Erika Kronabitter
Unter Autor:innen wird die Verwendung von KI heftig diskutiert. Doch was sagt die KI selbst dazu? Erika Kronabitter hat zwei künstliche Intelligenzen dazu befragt.
Heute habe ich, wie ich glaube, einen besonderen Artikel für dich vorbereitet. Ich sage vorbereitet, weil ich hier nicht mal sagen kann, dass ich diesen selbst geschrieben habe.
Immer wieder werde ich in der letzten Zeit gefragt: “Und – verwendest du auch schon KI?”
Natürlich kann ich jetzt eine Abhandlung zu KI, zur Verwendung, Ethik, Ressourcen, Klimaschutz, Plagiat, Besitz, Diebstahl, Autor:innenschaft usw. schreiben…. Die Überlegungen würden ein Buch füllen.
Ich habe aber zwei Sparringpartner zusammengespannt, nein nicht zusammengespannt: Jeden der beiden habe ich gefragt: “Sollen Schriftsteller und Schriftstellerinnen mit KI schreiben?” Die zwei Sparringpartner haben wie folgt geantwortet – ich gebe Euch das jetzt ungefiltert weiter:
Gemini
Das ist eine der spannendsten Fragen der heutigen Literaturwelt, und es gibt darauf keine einfache Ja-oder-Nein-Antwort. Die kurze Antwort lautet: Ja, als Werkzeug – aber nein, wenn es darum geht, die eigene Stimme zu ersetzen.
Die Debatte lässt sich am besten in die Chancen und die Risiken aufteilen.
- Die Vorteile: KI als „Co-Pilot“ im Schreibprozess
Für viele Autoren ist KI kein digitaler Geisterschreiber, sondern ein unermüdlicher Sparringspartner.
- Überwindung der Schreibblockade: Wenn das weiße Blatt starrt, kann eine KI Brainstorming-Partner sein, Plot-Ideen liefern oder alternative Szenarien vorschlagen.
- Recherche und Worldbuilding: Historische Fakten prüfen oder komplexe Welten für Fantasy-Romane strukturieren – KI kann riesige Datenmengen schnell filtern.
- Stilistische Feinarbeit: Als smarter Lektor kann KI Wortwiederholungen finden, den Rhythmus von Sätzen prüfen oder beim Übersetzen helfen.
Ein Vergleich: Als die Schreibmaschine und später der PC erfunden wurden, gab es ähnliche Ängste. Am Ende haben sie das Schreiben nicht zerstört, sondern nur die Art und Weise verändert, wie wir schreiben.
- Die Risiken: Was KI (noch) nicht kann
Es gibt gute Gründe, warum der Kern des Schreibens menschlich bleiben sollte:
- Der Mangel an echter Seele: KI generiert Texte basierend auf Wahrscheinlichkeiten und Mustern der Vergangenheit. Sie hat keine eigenen Traumata, keine echte Freude, keine tiefen Ängste. Wahre Literatur lebt aber von diesen rohen, echten menschlichen Emotionen.
- Gefahr der Uniformität: Wenn alle Autoren dieselben KI-Tools nutzen, besteht die Gefahr, dass Romane irgendwann austauschbar, glattgebügelt und formelhaft klingen.
- Urheberrecht und Ethik: KI-Modelle wurden mit den Werken echter Autoren trainiert – oft ohne deren explizite Zustimmung. Viele Schriftsteller lehnen die Nutzung daher aus Prinzip oder aus Solidarität mit Kollegen ab.
- Fazit: Die Mischung macht’s
Schriftsteller und Schriftstellerinnen sollten sich mit der Technologie auseinandersetzen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Wer KI als Assistenten nutzt, um administrative oder strukturelle Hürden zu nehmen, gewinnt mehr Zeit für das, was KI nicht kann: das Erschaffen von echter, tiefgründiger Kunst.
Am Ende entscheidet ohnehin das Lesepublikum – und das sucht meistens die echte Verbindung zu einem anderen Menschen.
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Reaktion 1 Ja – aber nicht zwingend, und nicht unkritisch. Die Frage ist weniger, ob Schriftstellerinnen und Schriftsteller KI nutzen sollten, sondern wie sie sie nutzen.
Viele Schreibende nutzen KI heute ähnlich wie Rechtschreibprogramme, Suchmaschinen oder Schreibgruppen: als Werkzeug, nicht als Ersatz.
Man kann KI als Assistentin verstehen:
So ähnlich nutzen manche Fotografen Bildbearbeitung oder Musiker Aufnahme-Software: Das Werkzeug verändert die Arbeit, ersetzt aber nicht automatisch die künstlerische Leistung.
Wenn Literatur vor allem darin besteht, menschliche Erfahrungen, Wahrnehmungen und Gefühle auszudrücken, dann bleibt die menschliche Perspektive zentral. KI hat keine eigenen Erfahrungen, keine Biografie und keine Existenz. Sie kann Muster erzeugen, aber nicht leben. Deshalb lautet eine häufige Position: Schriftsteller sollten KI nutzen dürfen, solange die KI das Schreiben unterstützt und nicht die persönliche künstlerische Stimme verdrängt. Die spannendere Frage könnte sogar sein: Ab welchem Punkt ist ein Text noch das Werk eines Menschen – und ab welchem Punkt wird er zu einer Kooperation mit einer Maschine? Darüber wird die Literaturwelt wahrscheinlich noch lange diskutieren.
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Reaktion 2 Ja – aber nicht zwangsläufig auf dieselbe Weise und nicht für dieselben Aufgaben. Die Frage „Sollten Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit KI schreiben?“ lässt sich weder mit einem klaren Ja noch mit einem klaren Nein beantworten. Es hängt davon ab, wie KI eingesetzt wird.
Viele sehen KI heute ähnlich wie einen Taschenrechner für Mathematiker oder eine Kamera für Maler: Das Werkzeug verändert die Arbeit, ersetzt aber nicht automatisch die Kreativität. Entscheidend ist, wer die künstlerischen Entscheidungen trifft. Wenn eine Schriftstellerin KI nutzt, um Ideen zu sammeln oder einen Rohentwurf zu strukturieren, bleibt das Werk oft klar ihr eigenes. Wenn hingegen große Teile eines Romans von der KI generiert werden und die Autorin nur noch auswählt, stellt sich stärker die Frage nach Autorschaft und künstlerischer Leistung.
Schriftstellerinnen und Schriftsteller können sinnvoll mit KI arbeiten. Die interessantere Frage ist vielleicht nicht, ob sie KI verwenden sollten, sondern wie viel kreative Verantwortung sie selbst behalten. Literatur wird wahrscheinlich nicht dadurch definiert werden, ob KI beteiligt war, sondern ob das Ergebnis eine erkennbare menschliche Perspektive, Originalität und künstlerische Qualität besitzt.
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Vielleicht helfen dir diese Darlegungen etwas weiter, falls du dir diese Frage auch schon gestellt hast. Klar ist auf jeden Fall: Meine Biografie, mein persönliches Erleben, meine geheimen Überlegungen kann die KI nicht kennen und nicht wissen. Also ist hier mein eigenes Schreiben gefragt. Und so ist es auch beim Erstellen eines eigenen Textes: Wenn mir ein Gedicht, eine Erzählung – und sei es nur die Passage einer Geschichte, besonders gelungen ist, fühlt es sich mega gut an. Ob das beim Generieren durch die KI auch passiert, ob ich dann auch dieses Glücksgefühl erlebe, diese Freude, dass mir das gelungen ist, weiß ich nicht. Vielleicht aber doch, wenn ich den KI-Vorschlag wieder beabeite, den Text verändere… dem Text meine eigene Sprache überstülpe….. All das musst du selbst entscheiden.
Foto: Gerda Sengstbratl
