Sprach­spiele und Paki­sta­ni­sches Curry in der BÖS Nach­bar­schaft

Ein Rund­um­blick von Brigitta Höpler

Überall in der Stadt begegnet uns Geschrie­benes: Hinweis- und Verbots­schilder, Stra­ßen­namen, Werbung, Logos, Geschäfts­in­schriften – wer einmal in der Stadt zu lesen beginnt, kann gar nicht mehr aufhören! (In meinem BÖS-Work­shop „Urbane Text­felder“ arbeiten wir damit.)

In den Texten zeigen sich auch die Macht­ver­hält­nisse in der Stadt.

Wem gehört der öffent­liche Raum?
Wer plat­ziert wo welche Texte?
Mit welchem Inter­esse?
Wer zwingt uns Marken, Logos, Werbe­bot­schaften auf?
Wer darf plaka­tieren?

2017 hat die Wiener Künst­lerin Natalie Deewan mit ihren „Leer­stands­ana­grammen“ begonnen. „Nach Geschäfts­schluss – Wiener Leer­stands­ana­gramme“ nennt die „Schrift-hin-und-her-Stel­lerin“ ihr Projekt. Zwei durch­ein­an­der­ge­wür­felte Schrift­züge sind ganz in der Nähe des BÖS-Ateliers zu finden.

Aus einer TISCHLEREI in der Zele­bor­gasse 20, 1120 Wien wird die STRICHELEI, was in diesem Fall beson­ders gut passt, befindet sich doch in der still­ge­legten Tisch­lerei Cupak schon länger eine Galerie.

An einem grün­ge­stri­chenem Bieder­mei­er­haus in der Rauch­gasse 21, 1120 Wien ist über den geschlos­senen Rolläden NONSENCE – TAMTAM MACHEN zu lesen. Was für eine Auffor­de­rung! Früher war hier eine Firma für Ober­lei­tungs­technik “Mecano Techna Stem­mann”. Nach Geschäfts­schluss hat die Rekla­me­auf­schrift ausge­dient – und macht sich selb­ständig.

Mit ihren spie­le­ri­schen Anagrammen betreibt sie ange­wandte Lite­ratur und zeigt Leer­stand und seine Möglich­keiten auf. So versorgt Natalie Deewan die Stadt mit Poesie und Hand­lungs­an­wei­sungen.

Schräg gegen­über des BÖS-Ateliers Ecke Krichbaumgasse/Vivenotgasse hat ihr Mann Afzaal Deewan nun den „Meid­linger Deewan“ eröffnet. Schnell zu erkennen ist er an der „Gleich­zeituhr“. Das vorhan­dene runde Leucht­schild wurde in eine doppel­sei­tige West-Eastern Clock: Vienna Lahore umge­wan­delt.

Im Lokal gibt es ein Buffet unter­schied­li­cher Currys, nach dem Prinzip der anderen Deewan-Lokale: die Gäste essen und zahlen so viel sie wollen. Das Lokal hat Samstag und Sonntag geöffnet, was eine kuli­na­ri­sche Berei­che­rung für die Teil­neh­menden der BÖS-Work­shops ist!

 

Brigitta Höpler, Oktober 2018

Brigitta Höpler ist Autorin und Dozentin beim BÖS. Sie leitet u.a. den Work­shop „Urbane Text­felder“, der sich mit dem Schreiben in der Stadt beschäf­tigt.

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Mehr zu Natalie Deewan:

http://heterotypia.net/leerstandsanagramme.html
http://heterotypia.net/gleichzeituhr.html
http://deewan.at/

 

Fotos: Natalie Deewan