Der Brau­müller Verlag und seine Zeit. 235 Jahre – eine Verlags­chronik – Bernd Schuchter

Eine Rezen­sion von Petra Gangl­bauer

Es ist viel die Rede von Lite­ratur, es ist oft die Rede von Autor­innen und Autoren bzw. deren Werken, was jedoch Selten­heits­wert hat, ist die Ausein­an­der­set­zung mit einer Verlagsexis­tenz über 235 Jahre:
„Am Vorabend der fran­zö­si­schen Revo­lu­tion sucht der aus Salz­burg stam­mende Johann Ritter von Mösle in Wien um eine Konzes­sion für ein Verlags- und Sorti­ments­ge­schäft an, die er am 26. März 1783 auch erhält. Das ist der Beginn einer mitt­ler­weile 235-jährigen Geschichte, auf die der seit der Mitte des neun­zehnten Jahr­hun­derts unter dem Namen „Wilhelm Brau­müller“ firmie­rende Verlag zurück­bli­cken kann.”

Der Autor, Verlegen und Histo­riker Bernd Schuchter hat sich an die akri­bi­sche und zugleich im besten Sinn unauf­dring­liche Recherche gemacht und eine mit wunder­baren foto­gra­fi­schen Aufnahmen illus­trierte und ästhe­tisch aufge­machte Verlags­chronik zusam­men­ge­stellt, die einer­seits das Gesell­schafts­ge­schehen über beinahe zwei­ein­halb Jahr­hun­derte aufrollt und ande­rer­seits eine Schau auf die spezi­fi­sche Entwick­lungs­ge­schichte des Brau­müller-Verlags selbst eröffnet.
Bernd Schuchter zeichnet den Entwick­lungsweg des Verlages im Spiegel der jeweils aktu­ellen gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Verhält­nisse sowie des Lite­ra­tur­be­triebs.

Ange­spro­chen werden auch Tendenzen im Verlags­ge­schehen über­haupt:
Beispiels­weise „der“ beinahe zeit­lose „Kampf der Autoren um eine ange­mes­sene Hono­rarab­gel­tung“ oder im Spezi­ellen die „wiene­ri­sche Anbie­de­rung der Verleger an Kunden“, ein Zitat des legen­dären Grün­der­zeit­ver­le­gers Kurt Wolff, der u.a. Franz Kafka, Georg Trakl oder auch Gott­fried Benn herausgab.

Ebenso behan­delt werden die tech­ni­schen Entwick­lungen, das je nach poli­ti­scher Lage wech­selnde Lese­ver­halten, Zensur­ge­habe, die Auswir­kungen der ameri­ka­ni­schen Unter­hal­tungs­in­dus­trie und schließ­lich auch die Findig­keit Brau­mül­lers:
„Die Wilhelm Brau­müller Verlags­buch­hand­lung wurde jeden­falls kurz nach den Revo­lu­ti­ons­wirren im Jahre 1849 zum allei­nigen Buch­händler für die neu geschaf­fene Akademie der Wissen­schaften.“

Die Mecha­nismen des Natio­nal­so­zia­lismus machten auch vor dem Brau­müller Verlag nicht Halt. Der Verlag fand sich „in diesen Jahren in widrigen Gewäs­sern, intel­lek­tuell gesehen in stür­mi­scher See.“

Hoff­nungs­froh macht die aussa­ge­kräf­tige Schluss­se­quenz des Buches, in der der Verleger Wilhelm Brau­müller fiktiv dem idealen Leser begegnet und zu ihm sagt:
„Es geht am Ende nicht nur um den Verkauf. Es geht um die Leserin, den Leser. Es geht um das Buch.“

Ein empfeh­lens­wertes Buch, das auch aus einem idea­lis­ti­schen Gestus heraus gemacht ist.

 

Petra Gangl­bauer, Mai 2019

Für die Rezen­sionen sind die jewei­ligen Verfas­se­rInnen verant­wort­lich.

 

Bernd Schuchter: Der Brau­müller Verlag und seine Zeit 235 Jahre – Eine Verlags­chronik
Wien: Braun­müller, 2018
184 Seiten
EUR 16,99
ISBN-13: 978–3‑99100–252‑9

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