Gefeu­erte Sätze – Petra Gangl­bauer

Eine Rezen­sion von Erika Kronabitter

Auch in ihrem neuen Gedicht­band „Gefeu­erte Sätze“ mit den Kapi­teln „Gewalt Muster“, „Revi­sited“ und „Bles­suren“ geht es Petra Gangl­bauer, wie schon der Titel program­ma­tisch verkündet, um Aggres­sion, Angriff, Gewalt, Krieg, Leid:Immer­fremd in diesem Krieg zum Fressen: / Lieb schürfen wir uns anein­ander ab. / Unsere unnütz gewor­denen Wörter: / Darunter! Unter!  / Der Schicht aus gedrucktem Schwarz / Kehren die Toten ganz in sich zurück. / Bewegen sich auf uns zu / (Als Krater­da­sein)!“

Hinschauen, Erkennen, Aufgreifen, das fordert Petra Gangl­bauer (erneut) und die Leserin/der Leser fühlt sich ange­halten, bei jedem einzelnen Gedicht inne zu halten (kein gieriges Verschlingen), um stun­den­lang über dieses nach­zu­denken, dieses bis in seine Einzel­teile zu dechif­frieren.

Phalanx / Aus gedächt­nis­losen Wesen“ lautet eine Vers­zeile, mit der sich die Autorin auf uns (?) bezieht, auf alle, die das Wissen um Verhet­zung, Verfol­gung, Völker­mord beisei­te­schieben, sich wegdenken (möchten) von den (nackten) Tatsa­chen, die im Zugeben des Schreck­li­chen sofort einen Aber-Satz hinter­her­schieben, Vergleiche, unstatt­hafte Vergleiche, Gegen- und Aufrech­nungen, nur um das eigene Nichttun zu recht­fer­tigen, um nichts tun zu müssen. Viele unserer Poli­tiker, gedächt­nis­lose Wesen, alte wie junge: die alten, die – wie es scheint – vergessen haben, dass schon einmal die Wort­wahl Ouver­türe war für eine Todes­ma­schi­nerie, die jungen, die in fast autis­ti­scher Weise sich einer hinter­häl­tigen Wort­wahl bedienen, von der sie sehr wohl wissen (und hämisch regis­trieren), dass bei einem nicht geringen Teil der Bevöl­ke­rung die nieder­träch­tigsten Instinkte ange­trig­gert werden (hier sei verwiesen auf den Face­book-Account eines „Herbert Tusch / Inns­bruck“, in welchem in Bezug auf eine AutorIn­nen­liste zu lesen ist/war: „Super jetzt haben wir eine Liste und wenn es dann soweit ist wissen wir wer abge­holt werden muss.“)

In der Phalanx der gedächt­nis­losen Wesen stehen aber auch so manche Medien stramm wie beispiels­weise jene Gratis­zei­tungen und Inter­net­foren, welche in ihren Kommen­taren zum Zeit­ge­schehen nicht müde werden, eine (subtile) Hetze zu betreiben und Ressen­ti­ments zu schüren. „Die Bezeich­nungen verleihen den Dingen / Ihre Macht“, so Gangl­bauer und die IG Autor­innen Autoren konsta­tiert anläss­lich ihrer Gene­ral­ver­samm­lung im Februar 2019: „Die Verro­hung von Sprache ist Leit­sym­ptom für alles, woran die Gesell­schaft krankt.“

Die Strin­genz der Verfol­gung / (Hinter­halt und Falle!) / Setzt / In Bild­reihen fort: / Die Strin­genz der Verfol­gung / (Hinter­halt und Falle!) / Setzt / In Text­reihen fort und gestaltet / Den Raum für Wirk­lich­keit.“

Gangl­bauer fordert uns auf, diesen Raum für Wirk­lich­keit zu gestalten. Dazu brau­chen wir keine Lyrik der Nacht­musik und auch keine dagegen: Anstatt die Lyrik­pro­duk­tion „hyper­tro­phiert“ zu bezeichnen, und dieser Hyper­tro­phie mit einer Eigen­pro­duk­tion noch eines drauf zu setzen, wäre manchem Kritiker oder Jour­na­listen ins Poesie­album geschrieben, in Petra Gangl­bauers Lyrik einzu­steigen und die Stimme der Grande Dame der öster­rei­chi­schen Gegen­warts­lyrik zu hören, jener Stimme nämlich, die ernst­haft etwas zu sagen hat.

 

Erika Kronabitter, Februar 2019

Für die Rezen­sionen sind die jewei­ligen Verfas­se­rInnen verant­wort­lich.

 

Petra Gangl­bauer: Gefeu­erte Sätze
Inns­bruck: Limbus Verlag, 2019
97 Seiten
EUR 13,00
ISBN 978–3-99039–145-7

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