Sisi, Sex und Semmel­knödel: Ein Araber ergründet die öster­rei­chi­sche Seele – Omar Khir Alanam

Eine Rezen­sion von Kath­rine Bader

2014 erreicht Omar Khir Alanam über den Libanon und die Türkei schließ­lich Öster­reich. Inner­halb von zwei Jahren lernt er so gut Deutsch, dass er sich als Poetry Slammer einen Namen machen kann. Außerdem arbeitet er als Kultur­ver­mittler. Sisi, Sex und Semmel­knödel ist bereits sein zweites Buch.

Bei uns – heißt dies nun bei uns in Syrien oder bei uns in Öster­reich? Für einen gelernten Öster­rei­cher, welcher der Autor ja werden möchte, wie er selbst sagt, einmal dies und einmal das. Selbst­ver­ständ­lich kommt er nicht umhin, beide Kulturen zu vergleichen.

Als Araber schüt­telt er zum Beispiel den Kopf darüber, dass man in Öster­reich sogar unter Verwandten einen Termin verein­baren muss, während in Syrien Gast­freund­schaft einen höchsten Stel­len­wert besitzt und die Türen ganz­tägig für Besucher*innen offen­stehen. Oder über alle mögli­chen kosten­pflich­tigen Kurse, um Wissen zu erwerben, das in seiner ursprüng­li­chen Heimat einfach unter Verwandten weiter­ge­geben wird. Oder über die öster­rei­chi­sche Tier­liebe. Fladen­brot­augen bekommt er auch ob der behörd­li­chen Vorschriften und der zahl­rei­chen Papiere, die hier für alles Mögliche notwendig sind.

Skypt er mit seinem Vater, meint der dazu nur: „Sei kreativ, Omar!“ Eine Umschrei­bung für Bakschisch, das in Syrien gang und gäbe ist. Doch auch in Öster­reich spielen Bezie­hungen eine nicht zu unter­schät­zende Rolle … Manches, das einfach zu befrem­dend für seinen alten Herren ist, teilt ihm der Sohn erst gar nicht mit. Etwa dass er – gegen anfäng­li­chen Wider­stand – bei der Geburt seines Sohnes dabei war, wahr­schein­lich als erster Syrer über­haupt. Dafür wird er von weniger aufge­schlos­senen Lands­leuten schon schief ange­schaut, vom Windel­wech­seln ganz zu schweigen. Den Sympa­thie­bonus, den er hier­zu­lande als Vater erhält, der sich mit seinem Kind zeigt, bleibt ihm hingegen nicht verborgen.

Zwar ist er neugierig und probiert vieles aus, doch nicht mit allem kann er sich anfreunden – Stich­wort: Sauna. Und immer wieder kämpft er mit der deut­schen Sprache, die ihm einige Irrtümer und Irri­ta­tionen beschert, wenn beispiels­weise das Wort Kaba­rett im Arabi­schen eine völlig andere Bedeu­tung besitzt. Seine Ausschmü­ckungen und Abwei­chungen erin­nern an ein Pais­ley­muster: Er fängt von einer Sache zu erzählen an, schweift in der Folge ziem­lich ab, um schließ­lich doch wieder auf den Punkt zu kommen. Dies und nicht zuletzt die sprach­li­chen Verwechs­lungen sowie die verdrehten Sprich­wörter machen den Charme von Sisi, Sex und Semmel­knödel aus.

 

Kath­rine Bader, Jänner 2021
Für die Rezen­sionen sind die jewei­ligen Verfas­se­rInnen verantwortlich. 

 

Omar Khir Alanam: Sisi, Sex und Semmel­knödel: Ein Araber ergründet die öster­rei­chi­sche Seele
Wien: edition a, September 2020

288 Seiten
Euro 22,00
ISBN: 978–3990013816

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