Wetter – Hermann Niklas

Eine Rezen­sion von Petra Gangl­bauer

Es gibt wenige zeit­ge­nös­si­sche Gedichte, die den Wahr­neh­mungs­rahmen dermaßen sprengen wie die vorlie­genden.

Der Autor und poli­ti­sche Bildner Hermann Niklas legt nach „Konfron­ta­tionen“ nun einen Band vor, der die ganze Spann­breite und Tiefen­schärfe der mensch­li­chen Exis­tenz, gespie­gelt durch den Blick in den Himmel, die Befas­sung mit dem Wetter, anreißt. Ein heraus­for­derndes Konzept.

Er beginnt mit dem Kapitel „Erdschicht“, setzt mit „Luft­schicht“ fort und endet schließ­lich mit dem Kapitel „Grenz­schicht”.

Wetter­ka­priolen und zwischen­mensch­liche aber auch gesell­schafts­po­li­ti­sche Turbu­lenzen sowie Natur­phä­no­mene und aber eben auch Zerstö­rungs­muster finden in dem Buch ihren Nieder­schlag: „was wir nicht hören/ ist das Krei­schen von Eis/ beim Schmelzen von Schnee…wir sehen nur Weiß/doch die Flocken sind schwarz“ oder „der Beamten Münder/ verwaiste Tische/ der Staub liegt hoch“. Und in einem anderen Gedicht: „Schnee­de­cken auf Häusern und falsch verstandenen/ Zweigen“.

Stets macht sich der Autor den Raum des weißen Blattes zunutze, er verfährt groß­zügig, stellt die Elemente des Lebens und der Sprache, der Natur und der Gesell­schaft auf seltsam ästhe­ti­sche Weise zuein­ander, lässt sie einander durch­dringen, sodass beim Lesen neue Formen, unge­wöhn­liche Asso­zia­tionen entstehen.

Die Gedichte ihrer­seits, nehmen mehr oder weniger Platz ein, agieren eindring­li­cher oder leiser, abrupter oder fragiler.

In ihnen ist alles enthalten: ein Ich, ein Du, das Innen wie das Außen – die Natur liegt in den Wörtern und diese in allem, was wir erfahren möchten. Und hier erfahren.

Ein empfeh­lens­werter Lyrik­band!

Petra Gangl­bauer, August 2020
Für die Rezen­sionen sind die jewei­ligen Verfas­se­rInnen verant­wort­lich.

Wetter: Hermann Niklas
Inns­bruck-Wien: Limbus Lyrik, 2020.
96 Seiten
Euro 15,00
ISBN: 978–3‑99039–171‑6

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